Green Coffee
Mangosteen

Mangosteen – ein sachlich-kritisches Loblied auf die köstliche „Königin der Früchte“

Synonyme:
Mangostan, Mangostane, Mangosta, Mangosten, Mangoustan, Mangostin, Mangu, Mangostanapfel, Mangostina di Malacca

Einleitung

Mangosteen oder Mangostan lautet der Name einer Frucht aus den Tropen Südostasiens, die seit einigen Jahren auch bei uns in der westlichen Hemisphäre Einzug gehalten hat. Hier figuriert sie entweder unter den Exoten in der Obstabteilung besser sortierter Supermärkte, Bioläden und Einzelhandelsgeschäfte oder als Saft resp. Extrakt für Gesundheitsbewußte, der als Nahrungsergänzungsmittel medienwirksam beworben wird und gegen allerlei Gebrechen helfen soll.

 

Superfrüchte mangosteen

Vorkommen und Kultur des Mangosteen-Baums

Mangosteen ist die Frucht des gleichnamigen Baumes mit dem wissenschaftlichen Namen Garcinia mangostana aus der Familie der Clusiaceae. Die Bezeichnung Mangosteen stammt aus dem Malaiischen, hat jedoch nichts mit der allseits bekannten Mango-Frucht zu tun, die mit der Mangosteen weder botanisch verwandt ist noch ihr ähnlich sieht.

Der Mangostanbaum ist ursprünglich vermutlich in Malaysia beheimatet, wird jedoch bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen Regionen Südostasiens sowie mittlerweile auch in den Tropen Mittel- und Südamerikas (vor allem in Brasilien), in der Karibik, in Afrika und Australien und vielen anderen Tropenländern kultiviert. Als Hauptanbauländer gelten Indonesien und Thailand, daneben Malaysia, Sri Lanka, Thailand, Vietnam sowie die Philippinen.

Die Mangostan-Frucht wächst auf großen, immergrünen Laubbäumen, die sieben bis zu 25 Meter hoch werden können. Diese Bäume können zwar weit über 100 Jahre alt werden, wachsen jedoch recht langsam. Ein Keimling braucht zwei Jahre, bis er eine Höhe von 30 cm erreicht, und es dauert mindestens 7-10 Jahre, bis man einen jungen Mangostanbaum erstmals beernten kann. Die besten Erträge erhält man von 10 bis 20 Jahre alten Exemplaren. Ein ausgewachsener Baum produziert jährlich zwischen 500 bis über 5000 Mangostan-Früchte – und das manchmal über hundert Jahre lang. Die reifen Früchte werden in der Regel ganzjährig von Hand geerntet.

Mangosteen-Bäume sind extrem klimaempfindlich. Sie benötigen eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit und können nur in tropischen Regionen südlich des 20. Breitengrades wachsen, da sie keine Temperaturen unter vier und über 38 Grad Celsius tolerieren. Der Mangostanbaum ist eine der raren Baumarten, die im Kulturanbau ohne Schädlingsbekämpfungsmittel auskommen, denn die in der Fruchtwand enthaltenen Anthocyanine, Phenole, Tannine und Terpene schützen die unreife Mangosteenfrucht wirksam gegen Insektenfrass, Pilz-, Bakterien- und Virenbefall. Mangosteenfrüchte sind daher von Natur aus „Bioobst“.

Mangosteen-Frucht

Die Mangosteen-Frucht besitzt mit 2,5 bis 7,5 Zentimeter Durchmesser in etwa die Größe einer Mandarine oder Tomate. Sie weist eine 6-9 mm dicke, lederartige, rotbraune oder weinrote, purpurrote bis dunkel-violette, manchmal mit gelblich-braunen Flecken versehene Schale auf. Im Inneren befinden sich das fast weiße, in 5-6 Segmente aufgeteilte Fruchtfleisch, das man leicht heraustrennen kann, sowie meist 4-5, seltener mehr, längliche Kerne oder Samen, die mit gegessen werden können. Nach dem Entfernen aus der Frucht sind diese Samen bereits innerhalb von fünf Tagen nicht mehr keimfähig.

Ihren Beinamen „Königin der Früchte“ erhielt die Mangosteen nicht von ungefähr. Sie gehört unzweifelhaft zu den köstlichsten Früchten der Welt. Das saftige Fruchtfleisch, das wie eine weiße Mandarine aussieht, besitzt einen unvergleichlichen Geschmack. Man könnte das Aroma am ehesten mit mild süß-säuerlich und Anklängen an Aprikose-Pfirsich-Mandarine bis hin zu Trauben-Birne-Ananas umschreiben – weniger saftig, aber dafür feiner und schmelzender von der Konsistenz her als Mandarine. Es erinnert geschmacklich am ehesten an Litschi und Rambutan, mit denen die Mangostan auch botanisch nahe verwandt ist.

Beim Kauf einer Mangosteen sollte man darauf achten, dass das Äußere glatt und glänzend und noch leicht elastisch ist. Wirkt die Oberfläche der Schale eher matt und fasst sich holzig an, muss man davon ausgehen, dass die Frucht schon steinhart und überreif
ist. Dann ist sie meistens ungenießbar, was auch an der Bildung von grünem Schimmel im Fruchtfleisch erkennbar ist. Gelbe Absonderungen am Fruchtfleisch, die bei sehr reifen Früchten auftreten, sind hingegen unbedenklich und weisen sogar auf besonders delikates Aroma hin.

Wenn die Mangostan noch relativ frisch ist, kann man sie bei Zimmertemperatur bis zu zwei Wochen lagern. Bei ca. sechs Grad Celsius im Kühlschrank ist sie noch länger lagerfähig (bis zu sechs Wochen), verliert dabei jedoch an Aroma. Mangostan liebt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Diese verhindert das Austrocknen von Schale und Fruchtfleisch, welches die Frucht ungenießbar macht.




Vorbereitung und Zubereitung der Frucht

Zum Öffnen der Mangosteen-Frucht entfernt man die Rosette am Stielansatz mit einem Messer und reißt die Frucht an dieser Stelle auf, oder man drückt die Frucht an einer beliebigen elastischen Stelle ein und bricht sie dort auf.

Mangosteen genießt man am besten roh. Die Frucht schmeckt köstlich in Obstsalaten, zu Joghurt oder Eis, zu Desserts und anderen Süßspeisen, als Kuchenbelag oder auch in exotischen Cocktails. Mit ihrem milden süß-säuerlichen Geschmack passt sie jedoch ebenso perfekt zu exotischen Reis-, Fisch-, Fleisch- und Geflügelgerichten sowie zu Meeresfrüchten.

Traditionelle Verwendung in den Heimatländern

In Südostasien dient die Mangosteen vornehmlich der Ernährung, wird jedoch auch für naturheilkundliche Zwecke genutzt. Den Farbstoff der Schale verwendet man als Färbemittel.

In den traditionellen Volksmedizinen Malaysias, Thailands, Indiens, der Philippinen, Vietnams und Chinas werden Frucht und Schale der Mangostan seit Jahrhunderten gegen vielerlei Beschwerden und Krankheiten eingesetzt, beispielsweise bei Hautinfektionen, Wunden und Entzündungen, auch im Hals-Nase-Rachen-Mund-Bereich, bei Durchfall, Darmproblemen und Harnwegsinfektionen sowie bei Fieber, Bauchschmerzen und noch zahlreichen anderen Übeln. Im karibischen Raum schwört man auf einen Tee aus Mangosteen als Stärkungsmittel bei Müdigkeit und Unwohlsein. Auf den Philippinen nutzt man einen Fruchtextrakt zum Fiebersenken und verreibt bei Bauchschmerzen aufgeschnittene Mangostan-Früchte über der Schmerzregion. In ihrem Ursprungsland Malaysia schätzt man die Mangosteen als Koffeinersatz (ohne die unangenehmen Nebenwirkungen des letzteren) und als Anti-Aging-Körperöl, das die Haut zart und samtig macht. Brasilianer nutzen einen Tee aus Mangostan als Verdauungshilfe.

Inhaltsstoffe

Die „Königin der Früchte“ hat es wahrlich faustdick hinter ihrer apart gefärbten Schale: Die Mangosteen ist nicht nur reich an Vitaminen, Mineralien und Spurenelemenen und kann mit einem wahren Feuerwerk an Nährstoffen aufwarten, sondern sie strotzt auch geradezu vor ernährungsphysiologisch wertvollen sekundären Pflanzen- und bioaktiven Wirkstoffen.

Neben 12 Vitaminen (A, B1, B2, B3, C, E), Mineralien und Spurenelementen wie Kalium, Kalzium, Magnesium, Natrium, Mangan, Phosphor, Eisen, Potassium enthält sie eine für Obst ungewöhnlich hohe Menge an Proteinen (etwa 500 mg/100 g). Kaum zu toppen ist ihr Reichtum an Xanthonen (Super-Antioxidantien, die den Körper im Kampf gegen freie Radikale unterstützen). Mit mehr als 40 von etwa 210 bisher bekannten Xanthonen stellt sie die mit Abstand xanthonreichste Frucht dar und gilt damit als Gesundheits-Bombe unter allen bisher bekannten natürlichen Lieferanten von zell- und körperschützenden Substanzen.

Gesundheitliche Auswirkungen

Bei einem solchen Reichtum an Inhaltsstoffen nimmt es nicht Wunder, dass die Mangosteen als „Superfrucht“ hochstilisiert wird, der man Wunderheilungskräfte nachsagt.

In-vitro-Studien deuten auf folgende Wirkungen der in der Mangosteen-Frucht natürlich vorhandenen Xanthone hin:

 

  • antibakteriell
  • allergiehemmend
  • antifungal
  • antiinflammatorisch (entzündungshemmend)
  • antimikrobiell
  • anti-rhinoviral
  • anti-SCLC (Lungenkrebs)
  • antiviral
  • geschwürhemmend
  • vor Leberschäden schützend
  • tumorhemmend

 

Mangosteen wird zur Stärkung des Immunsystems, zur Darmsanierung und als Anti-Aging-Produkt angepriesen. Glaubt man den Werbeversprechungen, stellt es das Nonplusultra unter den Nahrungsergänzungsmitteln dar, das nahezu gegen alles hilft und außerdem noch beim Abnehmen unterstützt. Um Mangosteen zu bewerben, fährt man das gesamte Arsenal an Schlagwörtern auf, das in der Gesundheits- und Wellnessbranche geläufig ist. Es wird mit gesundheitlichen Wirkweisen argumentiert, die wie gesicherte Tatsachen hingestellt werden, so, dass es der Konsument einfach glauben muss, einfach, weil er es auch unbedingt glauben will.

Dabei lässt man unter den Tisch fallen, dass es sich bei den meisten „Nachweisen“ lediglich um Versuchsreihen handelt, die in vitro, sprich im Reagenzglas durchgeführt wurden. Es gibt bisher keine klinisch durchgeführten randomisierten placebo-kontrollierten Doppelt-Blind-Studien am Menschen, die die von den einschlägigen Vertreibern der meist sündhaft teuren Säfte und Extrakte behaupteten positiven Effekte wissenschaftlich-sauber belegen würden. Das Ganze erinnert ein wenig an das Spiel, dass man, ein Dezennium früher, um die ebenfalls hochgejubelte Noni-Frucht aufgeführt hat. Und was ist heute davon geblieben?

Fazit

Mangosteen ist eine exotische Frucht, die eine geballte Ladung ernährungsphysiologisch wertvoller Inhaltsstoffe enthält, von denen sich viele – allen voran die antioxidativen Xanthone – vermutlich sehr gesundheitsförderlich auswirken ohne dass man sie gleich als Heilmittel hochstilisieren muss. Zudem ist sie äußerst wohlschmeckend und stellt von daher eine echte kulinarische Bereicherung unserer ohnehin schon üppigen Früchtetheke dar, das man einfach mit Genuss probieren sollte. Bei aller Euphorie über dieses schmackhafte Geschenk der Tropen sollte man jedoch auf dem Boden der Tatsachen bleiben und auch einmal darüber nachdenken, wie viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe in unseren althergebrachten Früchten enthalten sind, die für einen Bruchteil des Preises und ohne allzu lange Transportwege zu haben sind.